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Innovation im Schatten des Anker-Bias: Neue Wege für kreative Lösungen


Wichtigkeit des Innovationsmanagement

Hirnanker Ahoi. Ist dein Denken bei der Innovation frei oder bereits zu fest verankert?


In der Welt der Innovation, offenbart sich häufig eine subtile Herausforderung: der Ankereffekt oder Anker-Bias. Dieser Artikel widmet sich der Analyse dieses Phänomens, beleuchtet seine Auswirkungen auf die Innovationslandschaft und präsentiert Ansätze, um den Anker zu lichten und Raum für bahnbrechende Lösungen zu schaffen.


Was ist der Anker-Bias?

Der Anker-Bias ist eine psychologische Neigung, bei Entscheidungen an festen Bezugspunkten zu haften [1]. In der Welt der Innovation manifestiert sich dies oft in der Orientierung an etablierten Konzepte sowie Ideen oder überbewerteten Technologien, wobei alternative Wege immer vernachlässigt werden. Eine besonders kritische Dimension entfaltet sich, wenn dominante Stimmen im Innovationsteam die wahren Bedürfnisse der Nutzer nicht vollständig erfassen, was zu Lösungen führen kann, die letztendlich keiner will [2].


Anker-Bias in der Innovationsgeschichte

Ein Blick auf die Innovationsgeschichte enthüllt viele Momente, in denen der Anker-Bias wahre Innovation ausbremste oder verunmöglichte [3].

Von der hartnäckigen Weigerung, von bekannten Technologien abzuweichen, bis zur Ignoranz gegenüber aufkommenden, oft besseren und einfacheren Lösungsideen. Dies gilt insbesondere für das bedenkenlose Übernehmen der Meinungen der am höchsten bezahlten Personen (HiPPOs), ohne auf die Bedürfnisse der Nutzer einzugehen.

Auch gehypte Technologien, die im Technologieradar im Foresight auftauchen und dann von Verwaltungsrat oder Geschäftsleitung getriebenen Technologien, stehen oft im Mittelpunkt des Anker-Bias. Dieser hat wiederholt den Weg zu echtem Fortschritt versperrt, indem er echte Innovationen behinderte und den Wandel verzögerte.


Auswirkungen des Anker-Bias auf die Innovationskultur

Die Fixierung auf nicht geprüfte Ideen und Ansätze hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Innovationskultur in Unternehmen [4]. Eine Wasserfall-Innovation untergräbt die dynamische Zusammenarbeit im Innovationsteam. Ihr Fokus liegt darauf, evidente Ergebnisse bei noch unbekannten Nutzern, Problemen und Lösungen zu schaffen.

Das Festhalten an einer dominanten Meinung (Hypothese) behindert die Fähigkeit zur Entdeckung und Validierung der wahren Probleme. Ebenso beeinträchtigt es das Finden und die Implementierung neuer Lösungen, die einen echten Problem/Lösungs-Fit erzeugen. Der Anker-Bias zerstört zusätzlich das kreative und divergente Denken im Innovationsteam. Dadurch wird verhindert, dass die Nutzer, deren "Jobs to be done" und Lösungsansätze aus einer breiten Perspektive angesehen und diskutiert werden können.


Überwindung des Anker-Bias in der Innovation

Die Überwindung des Anker-Bias erfordert einen Paradigmenwechsel in Richtung einer offenen und Lösungsbefreiten Innovationskultur [6]. Unternehmen und Einzelpersonen sollten bewusst verschiedene Perspektiven integrieren. Es ist wichtig, demütig anzuerkennen, dass sie nicht alles wissen, sich auf Augenhöhe zu begegnen und aktiv von festgefahrenen Denkmustern zu befreien.

Dieser Wandel gelingt einerseits durch stark diversifizierte Teams, die zukünftige Nutzer und Partner aktiv in den Prozess einbeziehen. Zusätzlich ist eine Methodik erforderlich, die Annahmen trifft und mit den Iterationen Evidenz schafft. Bei fehlender Validierung sollte sofort und mutig nach Alternativen gesucht werden. Es ist wichtig, eine neue Annahme oder ein Pivot zu treffen und den Prozess mit den Iterationen fortzusetzen.

Nur durch die Bereitschaft zur Veränderung und die Förderung von kreativen Denkansätzen entsteht der Raum für innovative Lösungen.


Die Rolle von Diversität und Inklusion

Diversität und Inklusion spielen eine entscheidende Rolle bei der Überwindung des Anker-Bias [7]. Vielfältige Teams, die unterschiedliche Blickwinkel und Erfahrungen einbringen, brechen die Ketten des etablierten Denkens.

Erst wenn eine neutrale und lernende Organisation geschaffen ist, gelingt es, Risiken bei der Innovation systematisch zu reduzieren. Das Schaffen von Fakten, anstatt auf vorgefertigten Meinungen aufzubauen, ermöglicht einen schrittweisen Prozess. Dieser beginnt mit der Identifizierung der User, ihrer "Jobs to be done", und dem Verdichten zu einem klaren Use Case in Form eines Problem Statements. Darauf folgt die Entwicklung und Validierung von Lösungen.

Diese Schritte helfen dabei, sich mit Blick auf den Go-to-Market-Prozess mit einem klaren und repräsentativen User-Profil sowie einem definierten relevanten Use-Case zu formen. Dies geschieht im Sinne eines Product/Market-Fits, der schliesslich zum Validieren des Geschäftsmodells führt. Dieser Prozess beginnt mit den ersten zahlenden Kunden beim Go-to-Market und einer anschließenden Skalierung.

Eine inklusive Kultur fördert die Entfaltung von echten kreativen Durchbrüchen.


Fazit für die Überwindung des Anker-Bias

Die Zukunft der Innovation erfordert ein tiefgreifendes Umdenken im Umgang mit dem Anker-Bias. Unternehmen und die Gesellschaft als Ganzes müssen den Mut aufbringen, sich von festen Denkmustern zu lösen. Eine offene, vielfältige und inklusive Innovationskultur wird nicht nur den Anker-Bias überwinden, sondern auch den Weg für kontinuierlichen Fortschritt ebnen, um den Herausforderungen der Zukunft erfolgreich zu begegnen.


Yetvart Artinyan

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Quellen:

[1]: Tversky, A., & Kahneman, D. (1974). Judgment under Uncertainty: Heuristics and Biases. Science, 185(4157), 1124–1131.

[2]: Payne, J. W., Bettman, J. R., & Johnson, E. J. (1993). The Adaptive Decision Maker. Cambridge University Press.

[3]: West, J. (2003). Bicameral Mind, Anchoring, and the Political Science of Consciousness. Politics and the Life Sciences, 22(2), 29–39.

[4]: Brown, S. L., & Eisenhardt, K. M. (1997). The Art of Continuous Change: Linking Complexity Theory and Time-paced Evolution in Relentlessly Shifting Organizations. Administrative Science Quarterly, 42(1), 1–34.

[5]: Christensen, C. M. (1997). The Innovator’s Dilemma: When New Technologies Cause Great Firms to Fail. Harvard Business Review Press.

[6]: Chesbrough, H. W. (2003). Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology. Harvard Business Review Press.

[7]: Cox, T. (1994). Cultural Diversity in Organizations: Theory, Research, and Practice. Berrett-Koehler.

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